top of page

Montagsfunkeln vom 10.03.2025: Thema „Traumbilder“

Autorenbild: Susanne HeinenSusanne Heinen


Das „Montagsfunkeln“ zum Start in die Woche. Heute zum Thema „Traumbilder“ mit dem Gedicht „Traum“ von August Stramm (1874 – 1915) und einem Zitat von Victor Hugo (1802 – 1885).


In diesem Montagsfunkeln geht es um den Traum, die Traumwelten, die wir Nacht für Nacht mehr oder weniger wahrnehmen und im Gedächtnis behalten. Die Nacht mit ihren Traumbildern ist ein geheimnisvoller Raum, in dem sich Realität und Imagination vermischen. Wie ein leuchtendes Aquarium birgt sie schwebende Bilder, flüchtige Gedanken und flüsternde Stimmen. Träume tauchen auf, treiben umher, lösen sich auf, mal sanft, mal stürmisch, manchmal auch beängstigend und verwirrend. Träume sind mehr als flüchtige nächtliche Bilder, sie sind Tore zu unserem tiefsten Inneren.


Das Gedicht Traum entfaltet sich in einem rauschhaften Strom von Eindrücken, der uns mit sich reißt. Sterne winden sich durch Büsche, Worte plätschern, Düfte und Schauer stürzen herab. Die Sprache ist nicht geordnet, nicht gezähmt, sondern pulsierend und drängend, fast atemlos. Die Worte führen mitten hinein in das flirrende, strömende Reich des Traums, wo „die Nacht in tiefe Dunkelheit fällt“.


Diese Verdichtung und Übersteigerung der Wahrnehmung sind Ausdruck des Expressionismus, einer Kunstströmung des frühen 20. Jahrhunderts, die sich gegen Rationalität und Harmonie stellte. Stattdessen suchten expressionistische Dichter wie August Stramm nach einer unmittelbaren Ausdrucksweise für innere Zustände. Oft mit heftigen Bildern, starken Kontrasten und einer dynamischen, fast explosiven Sprache.


Auch im Gedicht Traum findet sich diese Rastlosigkeit. Es gibt keine klaren Übergänge, keine sanften Verknüpfungen, stattdessen ruckartige Bewegungen, jähe Wendungen, einen Sturz ins Ungewisse. Die Nacht erscheint nicht als beruhigende Dunkelheit, sondern als Sog, als Strudel der Eindrücke, in denen das „Ich“ versinkt.


So wird der Traum zu einem Spiegelbild der modernen Seele: zerrissen, suchend, überwältigt von der eigenen Innenwelt. Der Expressionismus wollte genau dies sichtbar machen. Das Ringen mit der eigenen Existenz, die Intensität der Empfindung, das Ungezügelte der menschlichen Psyche.


Seit der Blütezeit des Expressionismus zwischen 1905 und 1925 sind jetzt über 100 Jahre vergangen. Ich frage mich, wo stehen wir heute in der Auseinandersetzung mit uns, unserem Innenleben, dem Unterbewusstsein, unseren Traumwelten? Während die Expressionisten mit deutlicher Sprache und starken Bildern nach einem unmittelbaren Ausdruck innerer Zustände suchten, hat sich unsere heutige Wahrnehmung verschoben.


Die digitale Welt erzeugt eine Flut an Reizen, die wenig Raum für ungestörte Innenschau lässt. Träume sind oft nur noch flüchtige Randnotizen, überlagert von der ständigen Verfügbarkeit von Informationen und Ablenkungen. Doch gerade in dieser Flut an Eindrücken wächst die Sehnsucht nach Stille. Nach Räumen, in denen wir unsere innere Welt wieder wahrnehmen und ihr Ausdruck verleihen können.


Ich freue mich über einen Kommentar und deine Gedanken zu diesem Montagsfunkeln❤️.


 

Den ganzen Monat geht es im Montagsfunkeln um das Thema „Tiefe und Transformation“, und auch im Rahmen der Farbkreisreise Violett gibt es ab 09.03.2025 eine Schreib-Challenge mit dem Titel „Die Farbe der Nacht“.


Dazu lade ich dich herzlich ein und vielleicht möchtest du auch selbst einmal aktiv schreiben?


Hier siehst du als „Teaser“ das Titelbild der Aktion. Informationen erhältst du hier in meinem Account bei Instagram.


Ich würde mich freuen, wenn du einmal vorbeischaust und vielleicht sogar mitmachst.


 

Anmeldung zum wöchentlichen Newsletter „Montagsfunkeln“



Möchtest du jede Woche das Montagsfunkeln zum Start in die Woche erhalten?

Dann lade ich dich herzlich dazu ein, dich hier anzumelden:

 

Darum geht es in diesem Beitrag:




Montagsfunkeln „Traumbilder“


Diesen Beitrag zum Thema „Traumbilder“ findest du hier in meinem Instagram-Account. Ich freue mich über deinen Kommentar❤️.



 

Gedicht von August Stramm


Traum


Durch die Büsche winden Sterne

Augen tauchen blaken sinken

Flüstern plätschert

Blüten gehren

Düfte spritzen

Schauer stürzen

Winde schnellen prellen schwellen

Tücher reißen

Fallen schrickt in tiefe Nacht.


August Stramm (1874 – 1915)


 

Zitat von Victor Hugo


Der Traum ist das Aquarium der Nacht.

Victor Hugo (1802 – 1885)

 

Informationen zu den Autoren


August Stramm
August Stramm

  • August Stramm

  • * 29. Juli 1874 in Münster

  • † 1. September 1915 bei Horodec, Belarus im Ersten Weltkrieg

  • deutscher Dichter und Dramatiker des Expressionismus

  • stand unter Einfluss des italienischen Futurismus und war eng mit Herwarth Walden, dem Herausgeber der Zeitschrift Der Sturm, befreundet

  • bekannteste Werke: Gedichtsammlungen „Du: Liebesgedichte“ (1915) und „Tropfblut“ (1919), die posthum veröffentlicht wurden






Ausführliche Informationen zu August Stramm findest du hier.


Bildquelle: wikipedia

Lizenz: Gemeinfrei

 
Victor Hugo, Fotografie von Étienne Carjat, 1876
Victor Hugo, Fotografie von Étienne Carjat, 1876

  • Victor Hugo

  • * 26. Februar 1802 in Besançon

  • † 22. Mai 1885 in Paris

  • französischer Dichter, Schriftsteller, Dramatiker und Politiker

  • führender Vertreter der französischen Romantik. Seine bekanntesten Werke sind „Les Misérables“ (1862) und „Notre-Dame de Paris“ (1831)

  • früher Royalist, später jedoch ein überzeugter Republikaner

  • setzte sich für soziale Gerechtigkeit ein

  • musste aufgrund seiner politischen Ansichten 1851 ins Exil gehen, kehrte 1870 nach Frankreich zurück





Ausführliche Informationen zu Victor Hugo findest du hier.


Bildquelle: wikipedia

Lizenz: Gemeinfrei

 

Nähere Informationen zum Montagsfunkeln findest du hier:









Zur Frage: „Was ist das Montagsfunkeln überhaupt?“, in meinem Blogartikel „Das Montagsfunkeln als kreativer Wochenstart.

Eine Übersicht der Beiträge vom Jahr 2022 im Blogartikel „Montagsfunkeln 2022: eine Poesie-Sammlung in digitaler Form.

Eine Übersicht der Beiträge vom Jahr 2023 im Blogartikel „Montagsfunkeln 2023: eine Poesie-Sammlung in digitaler Form.

Eine Übersicht der Beiträge vom Jahr 2024 im Blogartikel „Montagsfunkeln 2024: eine Poesie-Sammlung in digitaler Form.



Sei dabei beim Montagsfunkeln


Du fühlst dich durch mein Montagsfunkeln angesprochen und würdest gerne mitmachen?

Deine Fragen zum Montagsfunkeln beantworte ich dir hier im Aufklappmenü:

Was ist das Montagsfunkeln?

Wie kannst du beim Montagsfunkeln mitmachen?

Musst du beim Montagsfunkeln etwas beachten?

Gibt es für das Montagsfunkeln ein Logo?


 

Eingereichte Beiträge zum Montagsfunkeln am 10.03.2025


Für alle, die gerne beim Montagsfunkeln mitmachen möchten, aber dazu keinen Blogartikel verfassen können oder wollen, binde ich die Beiträge von Instagram oder Facebook hier nachfolgend ein. Melde dich gerne, wenn du einen Beitrag eintragen lassen möchtest.



Hier könnte auch dein Beitrag stehen❤️ …


 

Falls dir das Montagsfunkeln von dieser Woche gefallen hat, dann schau doch einmal in den Beiträgen der vergangenen Montage vorbei. Vielleicht steckt da ein Gedanke oder ein Impuls, der nur auf dich gewartet hat. Durch einen Klick auf das Beitragsbild kommst du direkt zum Blogartikel:


 

Kennst du schon meinen allgemeinen Newsletter?


Mach deine Welt bunt – mein Newsletter mit Tipps und Infos zum Thema artCounseling, kreatives Gestalten, Kursangebote und vielem mehr :-).

Hier kannst du dich anmelden:

Comments


miniKreismitNamen_edited.jpg

Hast du Fragen oder Anregungen?

Schreib mir gerne persönlich hier unten über das Kontaktformular.

Danke für die Nachricht!

Impressum     Datenschutz     AGB

© 2021-2025 Susanne Heinen - artCounseling

bottom of page